Zwei Gründe warum Google plus das Onlinemarketing revolutionieren könnte

So oft auch über Onlinemarketing gesprochen wird und so verschieden auch die Ansichten sind, was denn Onlinemarketing eigentlich ist, muss letztlich Eines klar sein: Wie jede klassische Marketingmaßnahme auch, muss Onlinemarketing mittelbar zur Umsatzsteigerung beitragen.

Diese einfache Erkenntnis hilft uns sehr dabei, die eine echte unter den 999 vermeidlichen Revolutionen zu identifizieren. Wenn beim Launch einer jeden Spielerei gern von der nächsten Revolution gesprochen wird – und daran haben wir uns ja bereits gewöhnt – kann es schnell passieren, dass die echten Revolutionen ganz unerkannt, oder als nur eine von vielen geschieht.

Glücklicher Weise bietet uns das anfangs genannte Ziel einer jeden Marketingmaßnahme einen guten Ansatzpunkt, vermeidliche von echten Revolutionen zu unterscheiden. Eine echte Revolution im Onlinemarketing stellt uns damit neue und zuvor in dieser Form nicht dagewesene Mittel zur Verfügung, den Umsatz des betreffenden Unternehmens zumindest mittelbar zu steigern.

Wie viel Neues bietet uns also Google plus?

Seit Anfang Januar bietet uns Google plus zumindest schon einmal „Search, plus Your World“. Das ist definitiv neu – aber auch revolutionär? Die neue Google-Suche personalisiert die Suchmaschine und fügt weitere soziale Komponenten bei. Eine Suchmaschine, die mich kennt. Das klingt erst mal spektakulär, aber warum sollte das das Onlinemarketing revolutionieren? Schließlich gibt es soziale Suche bereits seit 2009 und die vollkommen personalisierte Suche kennen wir bereits von Facebook. Wer auf dem größten sozialen Netzwerk der Welt einen Suchbegriff eingibt, erhält zuerst Treffer, die aufgrund der eigenen Interessen und Empfehlungen seiner Facebook-Freunde bevorzugt werden. Und letztlich ist es genau das, was „Search, plus Your World“ auch tut. Unterm Strich scheint „Search, plus Your World“ nichts weiter, als eine Neuauflage der schon seit Anfang 2010 in Facebook implementierten Suche durch den Suchmaschinen-Riesen.


Es sind aber zwei kleine Formulierungen im letzten Satz, die den großen Unterschied machen können: „implementiert“ und „Suchmaschinen-Riese“. Anders als bei Facebook ist Googles Hauptgeschäft die Suchmaschine – und hier ist man auf der Welt, bei Lichte betrachtet, vollkommen konkurrenzlos. Nahezu jede Suche nach Produkten oder Content beginnt bei Google. Daran haben wir uns gewöhnt, so machen wir das seit Jahren. Lange bevor es Facebook gab und zu Zeiten als Bill Gates noch behauptete, man könne mit dem Internet kein Geld verdienen, haben wir begonnen, Lycos und Fireball und wie sie alle hießen, zu vergessen und uns allein auf einen einzigen Anbieter zu stürzen. Während Facebook die kluge Idee einer personalisierten sozialen Suche so zu sagen im eigenen Universum verstecken muss, kann Google sie (fast!) nahtlos in das „ganz normale“ Internet – das, das auch meine Oma nutzt – integrieren.

Und wie funktioniert „Search, plus Your World“? Im Wesentlichen, wie auch die Facebook-Suche funktioniert. Im offiziellen Blog von Google werden drei Eigenschaften von „Search, plus Your World“ genannt, die uns bereits mehr oder weniger bekannt sind:

 

  1.  Die Suche liefert Ergebnisse die eigenen Content oder Content von Freunden enthalten (bzw. eigene Empfehlungen oder Empfehlungen von Freunden)
  2. Die Suche liefert Profile als Ergebnis und mit den Profilen in irgendeiner Weise verknüpfte Webseiten
  3. Die Suche zu einem Thema liefert „People and Pages“ – Google plus Profile, die mit diesem Thema assoziiert werden

 

 

 

In wie fern ist das jetzt aber revolutionär? Wie kann das jetzt neue Wege begehbar machen, um mittelbar den Umsatz meines Unternehmens steigern? Ist das eine Revolution? Es kann zu einer Revolution werden, sofern eine gar nicht so unwichtige Bedingung erfüllt ist: Google plus muss zu einem ebenso großen Netzwerk werden, wie es Facebook bereits ist. Ob Google plus das erreichen kann, steht noch in den Sternen. Mir geht es darum, zu zeigen, was passieren kann, wenn „+1“ ebenso verbreitet ist, wie „Like“.

Zwei halbe Gründe…
Meine Google Suchanfrage für „Schuhe“ wird mir im „ganz normalen“ Internet, dort wo ich seit jeher Kaufentscheidungen treffe, Content liefern, der von meinen Google plus – Freunden erstellt wurde. Wie schon auf Facebook hat es adidas geschafft, dass ich mich auch auf Google plus mit Ihnen befreunde. Und jetzt dürfen wir gespannt sein, wessen Schuhe mir zuerst feilgeboten werden. Die Suchmaschine liefert mir relevanten Inhalt, den „mein Freund“ adidas auf Google plus eingestellt hat.

Aber warum ist das nur der halbe Grund? Nun – dieser Suchanfrage ging so Einiges voraus: durch eine gute Social Media Kampagne wurde ich bereits Fan und Freund von adidas. Das neue Ergebnis setzt auf alten Maßnahmen auf. Nicht unstrittig revolutionär – aber es kann sich durchaus sehen lassen.

Den zweiten halben Grund –aus denselben Gründen eben nur bedingt neu – liefert uns die Suchmaschine bei dieser Anfrage gleich mit: auch externer Content, der von meinen Freunden zum Thema erstellt wurde, oder dort von meinen Freunden mit „+1“ versehen wurde, wird als Ergebnis ausgespuckt. Und damit reden wir wieder von adidas-Seiten. Doch damit nicht genug: da ich ein Fan von adidas bin und adidas in einem meiner Circles habe, stehen die Chancen ganz gut, dass ich mit weiteren Leuten verbunden bin, die eine ähnliche Beziehung zu adidas pflegen. Und die haben vielleicht schon das eine oder andere paar Schuhe mit einem „+1“ versehen. Und wieder dürfen wir raten, welche Produkte uns wohl als erste Wahl präsentiert werden.

…und ein Ganzer.
Wirklich revolutionär erscheint „People and Pages“. Dieses dritte, eigentlich fast unscheinbare Feature der neuen Suche, bietet ganz neue Möglichkeiten des vor allem strategisch ausgerichteten, längerfristigen Onlinemarketings. Möglichkeiten, die nicht unmittelbar auf bestehenden Best Practices aufsetzen: Der Clou an diesem Feature ist, dass man, d.h. das eigene Unternehmensprofil an Relevanz für die Suchmaschine gewinnt, wenn man sich gezielt an Diskussionen auf Google plus beteiligt und Content zur Verfügung stellt.  Das klingt zuerst einmal nach vertrauten SEO Praktiken: Backlinks und Content. Genauer betrachtet ist es aber viel mehr. Sehen wir uns dazu mal ein kleines und sicher stark idealisiertes Beispiel aus adidas‘ fingierter (?) Zukunft an.

Wie aus dem Nichts beginnt adidas im großen Stil, sich auf Google plus an Diskussionen und Gruppen zum Thema „Fair Trade“ zu beteiligen. Man stellt Content zur Verfügung und platziert das eine oder andere Statement, noch völlig ohne erkennbaren Bezug zu eigenen Produkten. Erstaunt stellt der Google Nutzer nach einer Weile fest, dass beim Suchwort „Fair Trade“ neuerdings auf der rechten Seite seines Bildschirms auf das adidas-Firmenprofil verwiesen wird. Noch weiß man nichts damit anzufangen, doch nach und nach wirkt diese Assoziation immer vertrauter. Und dann, ebenso plötzlich führt adidas die neue, nachhaltige Produktlinie ein – 100% Fair Trade. Ist die Promotion, das Anliegen glaubwürdig? Sicher – schließlich ist doch die Assoziation von Adidas mit Fair Trade Produkten so seltsam vertraut.

Fazit:
Die Neuerungen, die Googles „Search, plus Your World“ bringen, sind uns in der einen oder anderen Form eigentlich schon von der Facebook-Suche bekannt. Das eigentlich Neue ist jedoch, dass die vermeidlich alten Mittel in neuem Gewand eine ganz andere Wirkung entfalten könnten. Dies liegt zum einen daran, dass Google die sozialen und personalisierten Komponenten aus dem geschlossenen Netzwerk heraus in das „ganz normale“ Internet holt. Der zweite Aspekt ist  wohl mindestens genauso wichtig. Für Suchanfragen, wie wir sie gewöhnlich nutzen, um Kaufentscheidungen zu treffen, werden jetzt Unternehmensprofile direkt auf der gewohnten Standard-Suchseite erscheinen. Wir finden Empfehlungen unserer Freunde jetzt in einem Umfeld, in dem wir es – anders als auf Facebook – gewohnt sind, von hier aus direkt zum Point of Sale zu klicken bzw. hier direkt nach eben diesem zu suchen.

Zählen wir unsere zwei halben und den ganzen Grund zusammen, haben wir tatsächlich zwei gute Gründe, an die revolutionäre Wirkung von Google plus auf das Onlinemarketing zu glauben. Durch eine, via Google plus auch in der „normalen“ Internetwelt verstärkte Präsenz eines Unternehmens bzw. eines Produktes sowie durch Empfehlungen von Freunden zusätzlich geschaffene Kaufanreize, sind ein wichtiger Baustein, um zusätzlichen Absatz zu generieren. Der zweite wichtige Baustein – die neuen Möglichkeiten Produkte etc. strategisch zu platzieren und dadurch so wichtige Einstellungen herzustellen, wie etwa Vertrautheit, eignet sich ebenso um mittelbar den Umsatz zu steigern. Die technischen Möglichkeiten zur Revolution des Onlinemarketing scheinen also gegeben – jetzt fehlen nur noch Strategen, welche auch die Umsetzung beherrschen. Und vor allem fehlen noch ein paar hundert Millionen Menschen, die all das wirklich werden lassen.

 

Tino Schade, M.A.. Der Autor ist innerhalb der Bremer Internetagentur für digitale Kommunikation TLC zuständig für die strategische Planung und Umsetzung von Onlinemarketing Maßnahmen, insbesondere von Social Media Marketing Maßnahmen.
TLC bei Facebook

Email: info@tlc-communications.de

8 Kommentare

  1. Erich Weber 27. Januar 2012 Antworten

    Danke für den Artikel. Habe ich gerne auf Facebook gepostet und in die Linksammlung meines Blogs aufgenommen, weil er das Thema sehr einfach und verständlich erklärt.
    http://erfolgreichewebseiten.de/google-plus-und-die-auswirkungen-auf-die-google-suchmaschine/

  2. Henri 31. Januar 2012 Antworten

    Dieser Artikel erklärt hervorragend, worauf des bei Google in Zukunft hinausläuft und worauf wir uns da auch einstellen können. Google wird mit aller Gewalt die “paar hundert Millionen Menschen” aktivieren ;)

  3. Ich habe nach Google Plus Backlinks gesucht und bin auf die Seite gekommen. Was mich im Moment interessiert … werden Backlinks von G+ Seiten gewertet und wie sieht allgemein das Ranking von Google Plus Seiten aus? Das Lustige ist ja, dass die Links zum Teil auf nofollow stehen. Tino weißt Du mehr? Ich habe “Benachrichtige mich über nachfolgende Kommentare per E-Mail” aktiviert.

    Gruß … David

  4. Tino Schade 15. Februar 2012 Antworten

    Hallo David,
    Wirklich fundierte Untersuchungen, die deine Fragen beantworten können, scheint es noch nicht zu geben (soll heißen: sind mir noch nicht bekannt).
    Daher kann man letztlich nur folgern, dass Google die Backlinks (auch Nofollow) aus dem eigenen Netzwerk sehr gut wertet. Grund für diese Schlussfolgerung ist der aktuelle Searchmetrics SEO Report (http://t3n.de/news/diese-faktoren-beeinflussen-365580/) aus dem hervorgeht, dass die Sozialen Netzwerke DER Rankingfaktor sind. Und da Social Signals im Prinzip mit Backlinks in Google plus einhergehen (der Backlink bekommt ja mehr Gewicht, je gewichtiger/geteilter/beliebter die Seite in Google plus ist, würde ich die Sache recht optimistisch bewerten. Nofollow Links, wie von Dir erwähnt, sind wohl ebenfalls wichtig für den (für Google) richtigen Mix. Beides spricht dafür, dass Google das eigene Netzwerk stark in das Ranking integriert/integrieren wird.

    AJ Kohn (http://www.blindfiveyearold.com/google-plus-seo?utm_source=bronto&utm_medium=email&utm_term=Google%2B+SEO&utm_content=Moz+Top+10+-+January+2012%2C+Issue+2&utm_campaign=Moz+Top+10+-+January+%232) hat auch angemerkt, dass das gegeseitige Verlinken erkennbare Auswirkungen hat (hier nochmal in deutsch: http://www.adzine.de/site/artikel/6551/search-marketing/2012/02/people-and-pages-oder-wenn-seo-zu-politik-wird).

    Letztlich ist das aber zu einem gewissen Teil Spekulation, da mir DIE Untersuchung, mit breiter Datenbasis (wie etwa die von Searchmetrics) noch nicht bekannt ist.

    Wie genau es sich mit den Profilseiten aus SEO Sicht verhält, wird in diesem Artikel (http://googleplusinside.de/nach-diesen-seo-prinzipien-ranked-die-neue-google-suche/) erläutert. Hier wird auch nochmal kurz auf den ersten Aspekt eingegangen.

    Ich hoffe, das hilft. Beste Grüße.

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